Spanische Silvesterbräuche
Der spanische Jahreswechsel hat feste Rituale, und sie sind der Grund, warum eine Stadtfeier in Spanien anders funktioniert als eine in Deutschland. Um Mitternacht schaut niemand in den Himmel — alle schauen auf ihre Trauben.
Die zwölf Trauben
Zu jedem der zwölf Glockenschläge um Mitternacht wird eine Weintraube gegessen — eine pro Monat des kommenden Jahres. Wer alle zwölf rechtzeitig schafft, hat der Überlieferung nach ein glückliches Jahr vor sich.
In der Praxis ist das schwerer, als es klingt: Zwischen den Schlägen liegen wenige Sekunden. Deshalb verkaufen Supermärkte im Dezember kleine Dosen mit zwölf entkernten Trauben, und viele nehmen kernlose Sorten. Auf Vara de Rey werden die Trauben oft verteilt, aber verlasst euch nicht darauf — eine Packung vorher zu kaufen kostet fast nichts.
Auf Ibiza gehört noch ein Detail dazu: Die Glockenschläge werden auf dem Platz übertragen, gefeiert wird also im Takt der Übertragung, nicht nach der Kirchturmuhr.
Cotillón
Cotillón ist die Sammelbezeichnung für alles, was an Silvester verteilt wird: Tröten, Papierhütchen, Luftschlangen, Perücken, Konfetti. In Bars und Clubs ist der Cotillón oft im Eintritt enthalten, bei der Stadtfeier wird er verteilt oder mitgebracht.
Das ist mehr als Dekoration — es ist der Grund, warum eine spanische Silvesternacht laut wird, ohne dass jemand Feuerwerk zündet.
Rote Unterwäsche und andere Rituale
Rote Unterwäsche. Wer sie in der Silvesternacht trägt, soll Glück in der Liebe haben. Der Brauch verlangt streng genommen, dass sie geschenkt wurde. In den Wochen vor Silvester liegt in jedem spanischen Kaufhaus ein Tisch mit roter Wäsche.
Gold im Glas. Manche legen einen Goldring in den Sekt und trinken ihn nach den zwölf Trauben aus — für Wohlstand im neuen Jahr.
Mit dem rechten Fuß. Das neue Jahr wird mit dem rechten Fuß zuerst betreten.
Cava statt Sekt. Angestoßen wird mit Cava, dem spanischen Schaumwein aus dem Penedès. Der ist auf Ibiza überall zu haben und deutlich günstiger als importierter Champagner.
Und was auf Ibiza anders ist
Auf Ibiza wird neben Spanisch auch Katalanisch gesprochen, in der örtlichen Variante Eivissenc. Im Programm der Gemeinden findet ihr deshalb katalanische Bezeichnungen: Cap d'Any für den Jahreswechsel, raïm für die Trauben, Nit de Cap d'Any für die Silvesternacht.
Das Neujahrsgrußwort funktioniert in beiden Sprachen — „Feliz Año Nuevo" auf Spanisch, „Bon Any Nou" auf Katalanisch. Mit dem katalanischen Gruß macht ihr euch auf Ibiza keine Feinde, im Gegenteil.
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